
Was ist Qi Gong?
Qi Gong bedeutet soviel wie „arbeiten an der Lebensenergie (Qi)” und lehrt heilgymnastische und meditative Übungen. Die Bewegungsabläufe sind langsam, harmonisch und fließend.
Besonderheiten des Shaolin Qi Gong
Im Shaolinkloster entwickelte sich das Shaolin Qi Gong zu einer Möglichkeit, den Körper und Geist im Sinne des Chan-Buddhismus zu reinigen. Der/Die Praktizierende strebt danach, eine harmonische Einheit zu erzielen mit dem Ziel, das wahre Ich, also sich selbst, zu erkennen.
Shaolin Qi Gong ist eine bewegte Form der Meditation.
Weil der Chan-Buddhismus vor allem Wert auf die praktische Umsetzung und individuelle Erfahrbarkeit durch jeden Menschen legt, entwickelte man im Kloster sehr körperbezogene Übungen. Das heißt, der Geist wird auf den Körper gelenkt.
Sie dienten nicht nur dem Pfad der inneren Entwicklung, sondern waren ein Hilfsmittel, gesund zu bleiben.
Im Shaolin-Qi Gong werden das harte und das weiche Qi Gong unterschieden.
Weiches Qi Gong
Weiches Qi Gong dient der Gesundheit.
Die bekanntesten Formen des weichen Shaolin Qi Gong sind Ba Duan Jing (8 Brokate), Yi-jin-jing (Transformation von Muskeln, Sehnen und Bändern), Xi-sui-jing (Reinigung des Knochenmarks) und Shaolin Yangsheng Zhuang (Shaolin Baumübung für die Gesundheitspflege).
Weitere Übungen oder Formen u.a.:
Fünf Tiere Übungen (Wu Qin Xi) oder Übungen zu der Reinigung der einzelnen Organe, Übungen mit heilenden Lauten u.a.
Hartes Qi Gong
Das harte Qi Gong bildet eine gebündelte sehr schnelle und starke Kraft aus. Es wir daher für die Kampffertigkeiten eingesetzt und dafür, den Körper gegen Schläge und Angriffe abzuschirmen.
Welche Wirkung hat Qi Gong?
Shaolin Qigong stärkt den Körper von Innen, sowie von Außen und bewirkt damit insgesamt eine Verbesserung der gesundheitlichen Verfassung.
Die Übungen wirken körperlich, energetisch, seelisch und geistig. Im Körper wirken sie auf den Schulter- und Brustbereich, die Stützmuskulatur der Wirbelsäule und sollen die Blutqualität verbessern.
Es verbessert Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Belastbarkeit, befreit von Verspannungen und aktiviert die Selbstheilungskräfte. Es kann den Hautwiderstand erhöhen, die Leitfähigkeit der Nervenbahnen erhöhen, Apnoe verringern, die Körperhaltung aufrichten, macht beweglich und elastisch oder fördert einen besseren Schlaf.
Für wen ist Qi Gong geeignet?
Qi Gong ist für jeden geeignet.
Im Shaolintempel wird weiches Qi Gong aber erst ab 18 Jahren unterrichtet, weil es eine gewisse geistige Reife benötigt. Hartes Qi Gong lernen Kinder ab 10 Jahren, weil es zunächst mehr auf äußeren Abhärtungsmethoden aufbaut, z.B. dem Kopfstehen.
Weiches Qi Gong – bewegt und still





Phasen der Shaolin Qi Gong Praxis in einer Unterrichtsstunde
Beginn mit Verbeugung und Buddhagruß
Lockern der Gelenke
Vorbereitende Übungen/Ba Jin: Aufwärmen von außen zum Rumpf hin; leichtes spiralförmiges Dehnen von Muskeln, Sehnen und Bändern
Zentrieren/Meditationsphase: Meditation im Sitzen und nachfolgenden selbstmassagetechniken oder Meditation im Stehen, gefolgt von in Bewegung bringenden Übungen
Tiefer wirkende Übungen oder Formen. Sie regen bestimmte oder mehrere Bereiche des Körpers stark an. Einige enthaltende explosive Bewegungen mit kraftvollem Atem, andere bringen Wärme und Geschmeidigkeit in den Körper oder fordern starke innere und äußere Kraft.
Übungen, die beruhigen und nachspüren lassen
Abschluss mit Verbeugung
Geschichte des Qi Gong
Die Wurzeln des Qi Gong gehen auf die chinesische vorgeschichtliche Zeit bis zum Ursprung im Schamanismus zurück, in der ein ganzheitliches Heilsystem praktiziert wurde.
Um ca. 200 vor Chr. wurde zunächst der Begriff daoyin verwendet und belegt die daoistisch, urchinesisch geprägte Herkunft. In dieser Zeit schuf der Arzt Hua Tuo die Fünf-Tiere-Übungen (Tiger, Hirsch, Bär, Affe, Vogel) mit Atemtechniken als wichtigem Element.
In der Tang-Dynastie (618-960) wird das Dao Yin ausgebaut (z.B. „Urwerk über die heilenden Laute“ und Techniken der selbstmassage von Si Ma Cheng Zhen).
In der Song-Dynastie (960-1279) löst der Begriff Qi Gong die vorhergehende Bezeichnung ab. In dieser Zeit bauen die Shaolinmönche aus chinesischer Medizin, daoistischen und buddhistischen Übungen ihr eigenes Bewegungssystem aus. So entstehen die o.g. Übungen und Formen des weichen Qi Gong.
Zentral war die Anschauung des Yin und Yang und der Fünf Elemente und Wandlungsphasen, die sich im Kosmos, in allen Dingen und Lebewesen wie auch dem Menschen wiederfinden. Zusammen ergeben sie ein System von sensiblen Balancen die sich gegenteilig oder als Kreislauf ergänzen. Krankheiten werden durch Disharmoniebilder diagnostiziert.
Dem Qi Gong kam als Heilmethode oder vorbeugend die Aufgabe zu, diese Harmonien zu erhalten oder wieder herzustellen. Daher regen die Übungen den Fluss der Energie, des Blutes und des Atems in den 3 Atemräumen an.
Im frühen 17. Jht entstand das Hart Qi Gong, um den Körper resilient zum machen und so hart wie Eisen oder Stein.
Die Bewegungslehre des Qi Gong verfeinerte sich bis heute und bildet eines der 5 Säulen der TCM (Traditionellen chinesischen Medizin) neben der Pflanzenheilkunde, der Diätetik, der Akupunktur und der Tuina-Massage.

