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Flughafen Tempelhof

Für Mönche und Minigolfer

von Ulrich Paul

Berlin - Flug-Pioniere haben einst die Geschichte des Tempelhofer Flughafens geprägt – jetzt sollen erneut Pioniere die Zeit nach Einstellung des Flugbetriebs prägen. Ein Gremium von Vertretern des Senats und der Bezirke hat nun unter Leitung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher 25 Ideen für Pionier- und Zwischennutzungen auf dem riesigen Flugfeld ausgewählt. 138 Vorschläge waren für die drei ausgewählten Gebiete eingereicht worden.

„Wissen schafft Kultur“, heißt das Motto für ein rund 46 000 Quadratmeter große Gebiet am Tempelhofer Damm. Dort soll unter anderem eine Kartbahn mit Elektrofahrzeugen betrieben werden – „um zu zeigen, dass umwelt- und klimafreundliche Technik auch Spaß machen kann“, wie es in einer Beschreibung des Projekts heißt. Außerdem ist ein Test-Center für Elektro-Mobilität geplant, in dem umweltbewusstes Verhalten und Verkehrssicherheit trainiert werden sollen.

„Berlin goes IBA“ heißt eine Ausstellung, die über die geplante Internationale Bauausstellung auf dem Flugfeld informieren soll. Die Nutzung auf dem Areal am Tempelhofer Damm ist bis zum Jahr 2013 begrenzt. Im Gespräch ist, dass dort später ein Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek entsteht.
Im zweiten Gebiet an der Oderstraße sollen auf rund 18 000 Quadratmetern verschiedene Ideen unter dem Motto „Neuköllner Nachbarschaften“ realisiert werden. Das Pestalozzi-Fröbel-Haus will unter anderem Projekte zur Naturpädagogik anbieten, beispielsweise zur Lehmbautechnik. Mehrere Organisationen wollen die Flächen gärtnerisch nutzen, unter anderem als „grünes Klassenzimmer“. Die Flächen können in diesem Gebiet bis zum Jahr 2016 genutzt werden.

Am Columbiadamm stehen rund 14 000 Quadratmeter für eine „kombinierte Sport- und Kulturnutzung“ zur Verfügung. Hier soll unter anderem ein Shaolin-Tempel in einer Fertigteilhalle entstehen. Die Shaolin-Mönche wollen dort über den Buddhismus und ihre Kampfkünste informieren. Außerdem ist in dem Gebiet eine Minigolfanlage mit 18 Bahnen geplant. Die Anlage wird von Künstlern gestaltet. „Die Bahnen werden sich bewegen, leuchten und auf die Aktionen der Spieler reagieren“, heißt es dazu.

Nicht überall stoßen die Pläne auf ungeteilte Freude. Der Neuköllner Stadtrat Falko Liecke (CDU) hat zwar keine Einwände gegen die 25 Pionier- und Zwischennutzungen. Er warnt jedoch davor, dass mehrere gärtnerischen Nutzungen auf Altlastenverdachtsflächen geplant sind. Dies sei „abenteuerlich“. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erklärte dazu, die Pläne sollten ja nicht heute auf morgen realisiert werden. Vorher werde der Boden untersucht, so eine Sprecherin.


Die Ideen

PIONIERFELD COLUMBIADAMM

Integrale Medizin: Mobiler Einsatz eines Teams, das Massagen, Qigong, Meditation und mehr anbietet.

Offener Bürgerkiosk: In dem Kiosk einer überkonfessionellen Meditationsgruppe können sich Gruppen und einzelne Personen vorstellen.

Shaolin-Tempel: Die Shaolin-Mönche wollen über Buddhismus und ihre Kampfkunst informieren.

Jugger: Der Jugger e.V. will diese dem Rugby ähnliche Sportart auf 7 000 Quadratmetern anbieten.

Stadtacker/Stattacker: Eine nicht genutzte Fläche soll in einen Nutz- und Kunstacker verwandelt werden.

Minigolf: 18 Minigolfbahnen sollen künstlerisch gestaltet werden, sich bewegen, leuchten und auf die Aktionen der Spieler reagieren.

Kunsthalle Tempelhof Art Games: Der Verein Berliner Kunsthalle will
einen Ort des Austausches der Kreativen schaffen.


Quelle: Auszug aus  Berliner Zeitung , 17.8.2010

 


Kartbahn und Shaolin- Tempel für Tempelhof


Der Senat will aus dem Gelände des ehmaligen Flughafens Tempelhof einen riesigen Park mit angrenzenden Wohnhäusern machen. Doch bis die Bagger kommen, wird das Areal zu einer riesigen Spielwiese. Eine Jury hat dafür 25 Projekte ausgesucht.
Blumige Ideen für Tempelhof - doch bis es hier den Park gibt, wird das Areal zur Spielwiese.
Eine Arche Noah wollen sie bauen, den Boden urbar machen und den Kindern aus den umliegenden Kiezen zeigen, wie Pflanzen wachsen. Sie möchten sich bei seltsamen Sportarten herumschubsen, Drachen steigen lassen, über Kunst diskutieren, Forschungsergebnisse präsentieren. Sie wollen auf
stromgetriebenen Mopeds herumsausen und sich auf E-Karts Rennen liefern ohne Auspuffgase: die sogenannten Raumpioniere, die Laeben auf die Leere des Tempelhofer Flugfeldes bringen sollen.


25 Projekte hat eine Jury um Senatsbaudirektorin Regula Lüscher jetzt aus 138 Bewerbungen ausgewählt, um die drei „Pionierflächen" zu bespielen, die an den Rändern des neuen Parks an den Tempelhofer Damm, Richtung Neukölln an die Oderstraße und im Norden an den Columbiadamm grenzen. Für drei Jahre sollen sie die innerstädtische Spielwiese für eine geringe Pacht nutzen dürfen. Nach der Öffnung des ehemaligen Flugfeldes für die Öffentlichkeit wäre das ein weiterer Schritt, das Gelände zu nutzen, ehe mittelfristig dort im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung Wohnungen entstehen und in der Mitte ein Park angelegt wird. „Wir verhandeln jetzt mit den Projektträgern über die inhaltliche Konkretion", sagte Gerhard Steindorf, Chef der geplanten Entwicklungsgesellschaft Tempelhof Projekt GmbH. Die ersten Ideen sollen Anfang September offiziell vorgestellt werden.


Die Projekte müssten nun selber sehen, wie sie ihre Ideen finanzieren, hieß es bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Einige erhalten jedoch auch Fördermittel aus anderen öffentlichen Töpfen.


Weil Tempelhof sich langfristig als Ort sauberer Mobilität präsentieren und diese Nutzungen am Tempelhofer Damm an der Westseite des Geländes konzentrieren soll, wählte die Jury den Vorschlag einer Kartbahn. Die kleinen Rennwagen sollen aber nicht herkömmlich betrieben werden, sondern mit Elektromotoren. Eine fünfstellige Investitionssumme aus privaten Kassen haben die Betreiber in Aussicht gestellt. Nebenan sollen Besucher in einem anderen Projekt das Fahren auf E-Bikes trainieren und elektrobetriebene Fahrräder testen können.


Spektakulärste Nutzungen im Norden, wo es wegen der Nachbarschaft zur Moschee am Columbiadamm eher um religiöse und künstlerische Themen gehen soll, könnten zwei Leichtbauhallen sein. Hier wollen für fünf Jahre die Shaolin-Mönche, die seit 2001 ein Zentrum an der Bundesallee in Wilmersdorf unterhalten, ihre Kampfkunst und ihre Philosophie präsentieren. Mit dem Übergangsprojekt wollen sie werben und Sponsoren suchen für den Bau eines echten Tempels. In der Nähe möchte eine Künstlergruppe gemeinsam mit Anwohnern und anderen interessierten Bürgern ein hölzernes Schiff als „Arche Metropolis" bauen, um beim gemeinsamen Arbeiten das Miteinander zu fördern. Und auch die Initiatoren einer Berliner Kunsthalle wollen das ausgedehnte Grasland nutzen, um den kreativen Wettkampf Berliner Künstler auszutragen.


Außerdem soll es eine Drachenstation geben, mehrere Lehrgärten, Info-Container und ein Spielfeld, wo die Freunde des Jugger ihren Sport ausüben können. Jugger ist ein Mannschaftsspiel, bei dem ein Ei über eine Linie getragen werden muss und die Kombattanten mit gepolsterten Knüppeln das zu hindern versuchen.

 Quelle: Berliner Morgenpost vom Sonntag, 15. August 2010 13:49  - Von Joachim Fahrun

 


Shaolin-Tempel auf dem Tempelhofer Feld geplant

BLZ

Auf dem Tempelhofer Feld könnte der größte Shaolin-Tempel Europas entstehen. Mönche des buddhistischen Ordens aus der chinesischen Provinz Henan, der für seine Kung-Fu-Kunst berühmt ist, haben Interesse bekundet. Das sagte Hardy Schmitz, Chef der Wista-Management GmbH und der Adlershof Projekt GmbH. Er hat im Auftrag des Senats ein Entwicklungskonzept für das 386 Hektar große ehemalige Flughafengelände erarbeitet. Für "Pioniernutzungen" stellt das Land insgesamt acht Hektar zur Verfügung. Interessierte können sich bis zum 14. Juni bewerben. (BLZ)

Infos im Netz unter www.tempelhof-projekt.de.

 

Quelle: Berliner Zeitung vom 20.Mai 2010

 


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